71 Prozent der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt, 97 Prozent des frei verfügbaren Wassers liegen im marinen System. Die mittlere Meerestiefe beträgt 3.680 Meter, die maximale über 11.000. Das Mittelmeer, die Nordsee, die Adria sind oft nur der sichtbare, küstennahe Rand eines unvorstellbar großen, dreidimensionalen Lebensraums, in dem rund 240.000 beschriebene Arten leben – und vermutlich ein Vielfaches davon, das die Wissenschaft bis heute nicht einmal katalogisieren konnte.

In dieses System gelangt täglich Plastik. Wie viel genau, kann niemand mit Sicherheit beziffern; die Schätzungen reichen von einer bis zu mehreren Millionen Tonnen pro Jahr. Doch die Forschung zeigt zunehmend klar: Das Meer ist kein träger Speicher, in dem Plastik still lagert und auf Abhilfe wartet. Es ist ein hochkomplexes, dynamisches Transportsystem – und sein Endpunkt ist erschreckend.

Bis in die tiefsten Stellen der Erde. Peng und Kollegen wiesen 2018 und 2020 in den Sedimenten des Challenger-Tiefs und anderer Hadalgräben – in Tiefen zwischen 4.900 und 10.890 Metern – Mikroplastik nach, mit bis zu 71,1 Partikeln pro Kilogramm Trockensediment. Selbst die tiefsten, fernsten Orte des Planeten sind bereits kontaminiert. Diese Gräben sind keine bedeutungslosen Randräume, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit die wichtigsten Endsenken für einen erheblichen Teil des marinen Kunststoffs. Was einmal dort unten angekommen ist, bleibt dort. Und ausgerechnet in einer neu beschriebenen Amphipoden-Art aus dem Marianengraben fand sich bereits Mikroplastik.

Wechselwirkungen, die wir kaum verstehen. Kunststoffpartikel werden im Meer besiedelt, transportiert, fragmentiert und sedimentiert; sie dienen als artfremde Transportmedien für Organismen und als Sammelflächen für chemische Schadstoffe. Die Folgen für Physiologie, Fortpflanzung und Sterblichkeit mariner Lebewesen sind bis heute nicht vollständig quantifizierbar.

Was die Forschung belegt: Mehr als 1.000 Flüsse sind für rund 80 Prozent des globalen Plastikeintrags aus Flüssen in die Ozeane verantwortlich (Meijer et al. 2021, Science Advances). Und etwa 10 Prozent des weltweiten Plastikmülls landet letztlich im marinen Kreislauf. Genau diesen realen Weg, den Zertifikate und Werbeversprechen gern verschweigen, dokumentieren wir – und genau deshalb prüft Proven by Nature im Freiland nach, was in der realen Umwelt tatsächlich geschieht, dort, wo die Natur die Antworten gibt.

Das Meer kann sich nicht selbst zu Wort melden. Wenn Sie es lieben wie wir, dann helfen Sie uns, für es zu sprechen: Forschen Sie mit, unterstützen Sie diese Arbeit, oder – wenn Sie Materialien herstellen – lassen Sie sie ehrlich prüfen. Schon eine kurze Nachricht ist ein Anfang.

Wissenschaftliche Quellen: Peng G. et al. (2020): The ocean's ultimate trashcan. Water Research 168. DOI: 10.1016/j.watres.2019.115121; Peng X. et al. (2018): Microplastics contaminate the deepest part of the world's ocean. Geochemical Perspectives Letters 9. DOI: 10.7185/geochemlet.1829; Meijer L. J. et al. (2021): More than 1000 rivers account for 80 % of global riverine plastic emissions. Science Advances 7(18). DOI: 10.1126/sciadv.aaz5803; OECD (2022): Global Plastics Outlook. DOI: 10.1787/de747aef-en.

Dieser Beitrag vertieft ein Thema aus: Robert Hofrichter et al.: POLYMEERE – Plastic Planet und das Greenwashing-Phänomen. Mit einem Geleitwort von Hannes Jaenicke. tredition, 2026. Kontakt: Dr. Robert Hofrichter · mittelmeer@aon.at

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